Kommentar – „Hey Aaron!!!“ Gamescom-Video 2017

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Ich schreibe selten Meinungsstücke.
Normalerweise arbeite ich an anderen journalistischen Formaten. An Reportagen, Berichten, Interviews und ab und an einem Feature. Aber heute sehe ich mich geradezu dazu gezwungen einen Kommentar zu schreiben. Und das nicht etwa zu einem Thema der Spielekultur, sondern zu einem YouTube-Video, dass dieser Beachtung eigentlich nicht einmal würdig sein sollte. Doch 647.000-mal schienen Menschen der Meinung zu sein, dass es diese Aufmerksamkeit verdient. 32.000 fanden es sogar gut. Die Rede ist von „Bitches klären auf der Gamescom 2017 !!!“ des Kanals „Hey Aaron!!!“.

Bevor das Video gestern Morgen in meine Timeline gespült wurde kannte ich Aaron Troschke noch nicht. Kein Wunder – ich gehöre nicht zur Zielgruppe seiner Videos. Allgemein konsumiere ich relativ wenig Content von deutschen YouTubern. Auch und vor allem, weil ich mit Pranks-, Let’s Play- und Beauty-Videos wenig anfangen kann.

Aber was mir da in neun Minuten und 47 Sekunden präsentiert wurde lässt mich leicht geschockt zurück. Dabei ist das Video mit Sicherheit nicht das schlimmste seiner Art auf YouTube. In „Bitches klären auf der Gamescom 2017 !!!“ zieht Aaron Troschke, als dicker Nerd mit kaputter Brille und schlechten Zähnen verkleidet, über die Gamescom. Er macht Frauen an, gibt anzügliche Kommentare von sich, macht sich über übergewichtige Messebesucher lustig. Und all das unter dem Motto, dass dies doch nur „Spaß“ sei.

Herr Troschke, ich spreche Sie hier einfach mal persönlich an, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass Sie diesen Text jemals lesen: Ich habe einst einen schönen Spruch gehört – „Spaß ist, wenn beide lachen.“ Nun könnten Sie natürlich damit argumentieren, dass dann doch einige Leute gelacht haben. Das ist in Ordnung – dies Menschen scheinen Ihre Art von Humor in diesem Moment geteilt zu haben. Aber das war ein reines Glücksspiel, da Sie mit ihren Worten verletzend waren.

In Ihrem Video ist mehr als eine Person zu sehen, die sie verpixeln mussten, weil sie nicht zu sehen sein wollte. Wieso haben Sie diese Aufnahmen dann überhaupt verwendet? Zudem hätten Sie, wenn überhaupt, auch die Stimme mitverfremden müssen. Das haben Sie nicht getan.

Sie sind an einen Ort gegangen, an dem Menschen eigentlich eine schöne Zeit mit ihrem liebsten Hobby verbringen wollten. Vielleicht ist die Gamescom nicht gerade der Innbegriff einer „Safe Zone“, aber sie bedeutet vielen Menschen doch sehr viel. Hier sind sie unter Gleichgesinnten, wollen das Hobby feiern, sich austauschen, eine schöne Zeit haben.

Und dann kommen Sie, machen Frauen an, denen das sichtbar unangenehm ist, sie bezeichnen Frauen verallgemeinernd als „Bitches“, als „Schlampen“. Die Frauen in ihrem Video sagen nichts zu den sexuell anzüglichen Sprüchen. Aber das bedeutet nicht, dass sie diesen zustimmen, sie lustig oder cool finden. Vielleicht sind sie zu schockiert oder resigniert ob solch einer Frechheit. Auch viele der Übergewichtigen erwidern nichts schlagfertig. Auch das ist keine Zustimmung. Nicht jeder ist dazu in der Lage schlagfertig zu reagieren, wenn eine Kamera auf ihn gerichtet ist und ihn jemand mit einem Mikrofon bedrängt.

Sie haben Menschen mit diesem Video mit Sicherheit verletzt. Sie schockieren auch jetzt noch damit. Das bringt auf YouTube natürlich Geld. Sie werden von manchen jungen Menschen als Vorbild genommen. Wollen Sie ein Vorbild sein, dass es Salonfähig macht andere Menschen zu bedrängen? Weil es ja „Spaß“ ist?

In Ihrer Biographie steht, sie waren von Anfang März, bis Ende Mai 2013 Teilnehmer der „Axel Springer – Frank Elstner Masterclass für Moderation“. Dort sollten sie journalistische Grundlagen gelernt haben. Medienethik, Interviewtechniken. Sie sollten es besser wissen

Die Frank Elstner Masterclass für Moderation dauert sechs Monate.

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